Spielsucht als Stiller eines Gefühlsdefizits

Das Spielen wird uns mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Schon als Baby und Kleinkind spielen wir: mit unseren Füßen, Händen, Spielzeug. Später dann folgen Spiele draußen oder an der Konsole. Und noch später oftmals in einer Spielhalle oder in einem Online-Casino. Schnell wird hierbei aus einem spielenden Spaß eine handfeste Sucht, die…

…für viel Kummer, Streit, Sorgen, Schulden oder gar Selbstmord sorgen kann. Spielen, allgemeinhin auch als Zocken bekannt, in einer Spielhalle oder in einem Spielcasino, sei es in privater oder staatlicher Hand, hat hierbei natürlich unterschiedliche Impulse, allen ist jedoch gemein, dass der Grat zwischen „ein bisschen spielen und tiefer Abhängigkeit“ sehr, sehr schmal ist. Und nicht nur hinsichtlich von Spielhallen.

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, 2016) haben sich bereits mindestens einmal der 16-65-Jährigen an einem Glücksspiel beteiligt. Hierbei finden sich mehr Männer als Frauen, wobei gerade die Zahl der spielenden Frauen stetig zunimmt. Ob Rubbellose, Lotterien, Online-Spiele oder der Besuch in einer Spielhalle bzw. dem Datteln an Spielautomaten in Lokalen – Fakt ist, dass das Spielen schnell, und durchaus dauerhaft, süchtig machen kann. Aber warum ist das eigentlich so, gerade auch bei Frauen?

Nun könnte man meinen, dass jeder doch nur sein Geld vermehren will. Klar ist aber auch, dass jeder Spieler, männlich wie weiblich weiß, dass der Sechser im Lotto oder der Jackpot in einem anderen Spiel so selten ist wie der Einschlag eines Mega-Kometen auf der Erde. Und das in der Regel der Spielhallenbetreiber oder der Staat der wahre Gewinner ist und bleibt. Trotzdem wird Euro um Euro in das Spielen investiert. Noch mal die Frage: warum?

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Während bei Männer häufig das gedankliche Ablenken sowie der Wunsch nach einem (großen) Gewinn zum Spielen treibt, zeigt sich hingegen vielfach bei Frauen, dass das Zocken ein Stiller für emotionale Defizite darstellt. Spielen gegen Langeweile, gegen Frust, Abschalten von den Sorgen, das Gefühl kompensieren nicht oder zu wenig beachtet und geliebt zu werden, ein stupider Alltag oder der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit stehen gerade bei weiblichen Spielern deutlich im Vordergrund. Viele Frauen kümmern sich um die Kinder, pflegebedürfte Angehörige, eigentlich um alles und jeden. Nur nicht um sich selbst. Der Haushalt wird als sich wiederholende, stupide Tätigkeit betrachtet, dessen Erledigung sowie keinen zuhause beeindruckt oder zu Lobeshymnen animiert. Finanzielle Abhängigkeit vom Partner verstärkt den Impuls durch das Spielen eigenes Geld zu haben. Die Einsamkeit wird vertrieben, wenn man sich einige Stunden in einer Spielhalle aufhält. Das Gefühl sich lebendig zu fühlen wird durch einen höheren Gewinn forciert…Dumm nur, dass das Spielen nur kurzfristig dazu verhelfen kann all die inneren Impulse zum Zocken zu kompensieren.

Meistens entsteht durch das Glücksspielen folgend und langfristig viel mehr ein fataler Kreislauf: Einsamkeit wird verdrängt, Geld verspielt, das wiederum im Alltag fehlt (oder es werden Schulden gemacht), Frust, weil nicht nur das Geld weg ist, sondern weil (wie bei anderen Abhängigen) festgestellt wird: alles ist danach nur noch schlimmer als davor. Sei es, weil der Geldbeutel oder das Konto leer ist, oder weil man nach Hause kommt und wieder alleine ist. Oder Streit mit dem Partner entsteht, der noch mehr dafür sorgen kann, dass Mann oder Frau sich noch weniger geliebt fühlt, alles ein „schwarzes Loch“ ist. Aber was kann jemand tun, der feststellen muss, dass er süchtig nach Glücksspielen (auch Lotto!) ist?

Eine erste Anlaufstelle könnte zunächst ein Online-Selbsttest Spielsucht sein: Spielsucht Selbsttest

In fast jeder Stadt gibt es Beratungsstellen, die einen beraten wie ein Weg aus der Spielsucht aussehen könnte. Und welche Möglichkeiten einer Therapie bestehen. Auch telefonisch gibt es Hotlines in Sachen Spielsucht, die zunächst einmal auch anonym kontaktiert werden können.

Sich offen eingestehen, dass man Spielsüchtig ist, ist hierbei schon einmal ein erster Schritt für eine positive Veränderung, wenn auch noch so mancher schwieriger Schritt folgen wird. Wichtig ist es sich seinem Partner oder seinen Familienmitgliedern zu offenbaren und einzugestehen, dass das Spielen zur Sucht geführt hat. Und zwar BEVOR ein finanzielles Desaster eintritt. Auch der Hausarzt kann als Vertrauensperson raten welche Schritte am wirkungsvollsten aus der Sucht nach dem Spielen und Zocken sind.

Ob Online oder in einer „realen“ Spielhalle: überall kann ein Spieler sich sperren lassen, sodass ein Betreten des Spielcasinos, real oder im Internet, nicht mehr möglich wird. Sinnvoll, sofern man sich überall die Sperrung eintragen lässt und nicht nur in ein oder zwei Casinos. Schwieriger wird da das Aufhören von Lotto und Co. Hier kann man fast jederzeit, ebenfalls stationär und virtuell, seinen Lottoschein/Wettschein abgeben. Und gerade Lottospieler sind regelrecht süchtig auf der Jagd nach den Glücksbringenden Zahlen. Indiz der Sucht: fragt mal einen (langjährigen) Lottospieler, warum er nicht endlich aufhört einem Jackpot nachzujagen, den nur die wenigsten überhaupt einmal erzielen können! Ich wette mit euch (nicht um Geld), dass ER oder SIE beim Gedanken nie wieder Lotto zu spielen Herzrasen bekommt, denn: irgendwann könnten ja die eigenen Zahlen mal kommen. Grausam die Vorstellung, dass man ausgerechnet dann selber keinen Gewinnschein abgegeben hat…

Wie ihr sehen könnt ein sehr schwieriges Thema, das zudem immer mehr Menschen betrifft. Und einen tiefenpsychologischen Hintergrund aufweist. Selber aus der Spirale des Glücksspielens herauskommen ist alles andere als einfach, aber vermutlich die bessere Wahl für ein Mehr an Lebensqualität. Denn eines steht mal fest: Spielen um Geld macht nicht glücklich!!

 

Fotoquelle: wikipedia.de

 

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