Hartz und herzlich – Rückkehr in die Eisenbahnsiedlung

Gestern, Dienstag 05.09.2017, lief auf rtl2 ein weiterer Teil „Hartz und herzlich-Rückkehr in die Eisenbahnsiedlung“. Und auch diesmal wollte ich wissen, was aus Olaf, Bärbel, Frank oder Julian geworden ist…

Wie die Zeit doch rennt. Bereits vor rund 1,5 Jahren sah ich mir den ersten Teil der Doku-Serie Hartz und herzlich an. Und auch den zweiten Teil wollte ich nur ungerne verpassen. Nun lief also der dritte Teil „Hartz und herzlich-Rückkehr in die Eisenbahnsiedlung“. Mit dabei „alte“ Bekannte, wie zum Beispiel Klaus, Olaf, Julian oder auch Bärbel. Neue Gesichter hingegen sind wiederum Moni und ihre Oma Ingrid oder auch Steffi…

Rund 18 Monate nach der ersten Ausstrahlung der Doku-Serie gibt es tatsächlich die eine oder andere Veränderung bei den Menschen in der Duisburger Eisenbahnsiedlung. Zwei Menschen habe ich in der neuen Folge bewundert bzw. bei diesen ging mir das Herz auf: Bärbel und Klaus. Klaus, inzwischen 65 Jahre alt, ist kein „Hartzer“, sondern arbeitet bereits seit 45 Jahren. Und zum Zeitpunkt der Dreharbeiten hatte er noch zwei Monate zu arbeiten, um danach in Rente gehen zu können. Klaus lebt nachwievor alleine (seine Frau und sein Sohn leben in Italien), er ist sehr auf Ordnung bedacht und sieht im Arbeiten die guten Seiten. Auch wenn er, so wie ich finde, mehr als abgearbeitet aussieht. Rund 1100€ soll er wohl mit dem Eintritt in den Ruhestand erhalten. Etwa 100€ weniger als sein aktueller Lohn vor Rentenbeginn. Ein Beispiel, wie es um Deutschland und seine Renten tatsächlich steht. Ein trauriges nach dazu, denn wer solange dem Staat in die Tasche gewirtschaftet hat, sollte doch viel mehr erhalten, um die letzten Lebensjahre nicht auch noch jeden Euro umdrehen zu müssen. Immerhin wird von der Rente ja alles finanziert, was das Leben ermöglicht und ausmacht…

Bärbel hingegen hat mich wirklich positiv überrascht. Irgendwie scheinen die einstigen Dreharbeiten bei ihr etwas bewirkt zu haben. Sie sieht viel gesünder aus, strahlt regelrecht von innen heraus, hat das Rauchen aufgehört (Respekt!! ich schaffe das immer noch nicht) und hat nun einen 2-Euro-Job, der ihr wohl sehr gut tut. Sie kann als einstige Erzieherin wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, hat etwas mehr als 200€ zusätzlich zum Hartz4…meine Hochachtung Bärbel! Sie ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass fast jeder etwas ändern kann, wenn er es selbst für sich will. Und Bärbel wollte wohl. Ich hoffe, sie wird auch weiterhin ihren persönlichen Weg gehen und viele Glücksmomente erleben dürfen. Eisenbahnsiedlung hin oder her.

Olaf, 48, der kranke über 200-Kilo Mann, hingegen erscheint mir inzwischen als, mhh, welches Wort passt nun…etwas arroganter. Dabei hat er nach den letzten Sendungen von Hartz und herzlich doch einiges an Unterstützung erfahren: Hilfsangebote von Zuschauern, Spenden und Geschenke (Handy, Auto, Flachbildfernseher…), eine Haushaltshilfe. Und anstatt von Herzen dankbar für all das zu sein, mosert er rum, streitet sich mit seinem Nachbarn, weil der auf „seinem“ Parkplatz steht (dabei muss er von dem anderen Parkplatz kaum weiter bis zu seiner Tür laufen) und scheint auch sonst nicht wirklich etwas dafür zutun, dass es ihm, gerade gesundheitlich, besser geht. „Vor- und Nacharbeiten mit Zigaretten“, weil er als starker Raucher 3mal die Woche für je 7 Stunden an der Dialyse hängt…nicht sehr hilfreich. Versuchen irgendwie ein paar Kilo an Gewicht zu verlieren, um das Leben und die Schmerzen erträglicher zu machen. Auch davon sah ich in der aktuellen Sendung nichts. Ich kann verstehen, dass es unglaublich schwer ist aus einem „Loch“ herauszukommen. Depressionen sind extrem schlimm…aber einfach nichts tun? Nun ja, er muss es ja selber wissen…

Julian, der Besitzer vom Kiosk „Der Siedlertreff“ hat immer noch seinen Kiosk und macht einen richtig taffen Eindruck. Mir erscheint, dass ihm die vorangegangenen Ausstrahlungen von „Hartz und herzlich“ einen persönlichen Schub ermöglicht haben. Als Anlaufstelle für die Bewohner der Eisenbahnsiedlung hat er nun jeden Tag auf und konnte davon berichten, wie Leute extra in die Siedlung kamen „um sich die Eisenbahnsiedlung anzusehen“. Sightseeing mal anders, eben.

Einige der Doku-Teilnehmer der ersten beiden Sendungen wollten diesmal nicht an den Dreharbeiten von „Hartz und herzlich-Rückkehr in die Eisenbahnsiedlung“ teilnehmen. Dafür waren drei neue Bewohnerinnen der Siedlung dabei: Steffi, 39, und wie ich finde eine äußerst gut aussehende Frau. Sowie die 18 Jahre alte Moni und deren Oma Ingrid (69). Während Steffi aktuell nicht arbeiten darf, aber clever genug ist, um irgendwann den Dreher zum Positiven wieder zu finden (ihr sei ihr Wunsch nach Normalität mit Häuschen und Garten gewünscht), muss ich gestehen, dass mich Moni (Monique) durchaus auf die Palme gebracht hat. Sie hat eine hübsche Wohnung, wäre jung genug, um auf eigenen Füssen zu stehen, aber schiebt ihre Oma als Grund vor, dass eine Ausbildung oder Arbeiten nicht geht, weil sie sich um sie kümmern will. Grundsätzlich lobenswert, aber was hat ein Kümmern-Wollen damit zu tun, dass sie geforderte Unterlagen nicht beim Job-Center einreicht und dadurch schon 2 Monate keinerlei Gelder mehr erhält, das Kindergeld ebenfalls nicht mehr bezahlt wird…sie aber von der kümmerlichen Rente und dem Pflegegeld der Oma Ingrid lebt?!? Diese ist schwer krank und ist zu ihrer Enkelin gezogen. Und erträgt all das mehr oder weniger stillschweigend, auch wenn sie sich ab und an mit Moni in den Haaren liegt. Eben wegen dem Geld. Oder das Moni keine Ausbildung machen will. Verständlich, wenn Oma Ingrid sich aufregt, was bei ihrem gesundheitlichen Zustand wohl kaum förderlich ist sich etwas besser fühlen zu können…wie viele Monis es wohl gibt? So ein Verhalten hat für mich weder etwas mit Liebe noch mit Fürsorge zutun. Traurig und unfair gegenüber der alten, kranken Frau.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu Frank. Auch er war in Teil 1 und 2 von „Hartz und herzlich“ dabei. Und eigentlich ist bei ihm immer noch alles beim Alten. Langeweile beherrscht den Alltag, mit Olaf (einst sein Freund) liegt er im Klinsch (sie reden nicht mehr miteinander), sein geliebtes Meerschweinchen ist zwischenzeitlich verstorben…Irgendwie tut er mir leid, ohne es genauer benennen zu können. Er ist noch relativ jung und ich wünsche ihm, dass eine positive Wende in seinem Leben eintritt, er sich endlich nach all den Jahren auch von den Ersatzdrogen lösen kann, vielleicht eine Partnerin findet, die ihm Auftrieb und Motivation fürs Leben und Veränderung gibt…

Noch ein Wort zu meinen anderen Beiträgen zur Dokumentation „Hartz und herzlich“. So manch einer warf mir vor, dass ich mit meiner Meinung über das Leben der Menschen einseitig sei. Arbeiten über allem stehen würde. Hier muss ich klar sagen: darum geht es mir doch nur zweitrangig. Im Vordergrund stand und steht für mich, dass fast jeder Mensch (sofern geistig und körperlich so gesund, um selber etwas tun zu können!) doch Wünsche und Träume haben und die Möglichkeit erschaffen soll und kann diese umzusetzen. Siehe zum Beispiel Bärbel. Klar ist, dass inzwischen das Leben schwieriger geworden ist, Arbeit sich im Vergleich zum Hartz4-Bezug tatsächlich oftmals nicht lohnt, die Gesellschaft generell gespalten ist und gerade in Deutschland mehr das zählt was auf dem Papier steht als das was ein Mensch real betrachtet kann. Aber aufgeben? Nichts mehr versuchen? Wo bleibt der Respekt vor der eigenen Person, der Stolz der Unabhängigkeit? Lebenszeit ist begrenzt und muss nicht als Workaholic enden. Aber doch auch nicht nur vor dem Fernseher, oder? Geschweige von den fehlenden Möglichkeiten Kontakte nach außen zu erhalten und dadurch vielleicht mehr Freude im Leben einziehen zu lassen. Oder das Gefühl gemocht und gebraucht zu werden. Erinnerungen zu sammeln. Schöne Momente, die auch dann bleiben, wenn man sich tatsächlich aufgrund schwerer Krankheit oder dem Alter nicht mehr bewegen kann…

Doch wie stets im Leben: jeder hat seine eigene Meinung und jeder muss für sich selber entscheiden wie er sein Leben verbringen will, nicht wahr!?

Sendung verpasst? Hier der Link zu Teil 3 von Hartz und herzlich

Fotoquelle: tvspielfilm.de

3 Gedanken zu “Hartz und herzlich – Rückkehr in die Eisenbahnsiedlung

  1. Ich freu mich das die Sendung gut angekommen ist. Es hat mir Spaß gemacht auch wenn ich Riesen Angst hatte vor der Ausstrahlung. Schönen Tag und liebe grüße Stephi aus der Eisenbahnsiedlung

  2. Ich habe heute Abend 19 Dezember die neue Folge von euch gesehen ich ziehe den Hut vor Allen vor der Steffi. Mit freundlichen grüßen aus Magdeburg. Michael

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