ARD FilmMittwoch: Ich gehöre ihm – emotionsgeladenes Thema Loverboys

Heute Abend lief auf ARD der Filmmittwoch. Filmtitel: Ich gehöre ihm. Thema: Junge Mädchen und Frauen, die der wahnsinnigen Liebe zu einem Loverboy verfallen. Emotionsgeladen, so das Thema, und erschreckend, wenn ich mir vorstelle jetzt gerade passiert es tausendfach. Auch und besonders in Deutschland…

Schon vor längerer Zeit habe ich das eine oder andere zum Thema Loverboys mitbekommen. Der heutige Filmabend mit der Ausstrahlung von „Ich gehöre ihm“, sowie die nachfolgende kurze Dokumentation „Verliebt, verführt, verkauft“ haben diese schwerwiegende Thematik nochmal mehr verdeutlicht.

„Ich gehöre ihm“ erzählt von Caro, einem etwas pummeligen 15 Jahre alten Mädchen, das eher schüchtern und unscheinbar wirkt. Sie hat Freunde, eine liebe Familie (wenn auch nicht übermäßig reich begütert) und sie spielt gerne Basketball. Als sie zum Mannschaftskapitän erkoren wird, scheint soweit alle gut zu verlaufen, in ihrem noch jungen Leben. Wie bei allen jungen Frauen taucht dann auch bei Caro die Gefühlswelt einer Pubertierenden auf: sich verlieben wollen und geliebt werden, zum Beispiel. Für einen Jungen interessant sein. Ganz normal eben.

Sie lernt Cem, einen jungen Türken kennen. Cem sieht gut aus, fährt einen dicken Mercedes, schenkt ihr das neueste Iphon, nennt sie „meine Prinzessin“ und erzählt ihr all das, was eine junge, eher unscheinbare Frau so gerne hören möchte. Von Liebe. Ein ewiges Zusammenbleiben…Cem, gerade 19 Jahre alt, kauft scheinbar sogar eine Wohnung für ihre gemeinsame Zukunft. Caro, die nie geraucht, Alkohol oder Drogen genommen hat, verändert sich. Trinkt, raucht…und schenkt ihrer großen Liebe Cem ihre Jungfräulichkeit. Nachdem er „fertig“ ist, tauchen seine Freunde auf, die sich an Caro vergehen. Und Cem lässt es zu. Die junge Frau bricht zunächst den Kontakt zu ihm ab, aber nachdem er bei ihr reumütig auftaucht, von Liebe sülzt und ihr verspricht, dass sowas nie wieder vorkommt („es sind meine Freunde, eher wie Brüder, und wir teilen ALLES“) verzeiht sie ihm. Zu groß sind ihre Gefühle für ihn. Naiv und verliebt, verliert sich Caro immer mehr in ihre Hörigkeit zu Cem.

Eines Tages scheint dieser Geldprobleme zu haben, sein Leben werde bedroht, wenn er nicht seine Schulden zahlen würde. Caro könnte ihm helfen: in dem sie sich so lange prostituiert bis die Schulden bezahlt sind. Damit sie eine schöne Zukunft miteinander haben können. Und sie vertraut und glaubt ihm. Scheinbar freiwillig lässt sich Caro darauf ein, und muss schnell feststellen, dass es kein zurück gibt. Weigert sie sich sich an Männer zu verkaufen schlägt Cem sie…Caro prostituiert sich in der Wohnung, dann auf dem Strich. Dort wird sie von ihrem Lehrer erkannt. Dieser spricht sie daraufhin in der Schule an…und wird von Cem schwer verprügelt, damit er niemandem davon erzählt, was er gesehen hat.

Plötzlich bleibt das Mädchen verschwunden, ihre Eltern drehen fast durch. Nichtzuletzt auch deshalb, weil sie von der Polizei erfahren wer dieser Cem überhaupt ist. Nachdem Caro feststellt, dass ihre große Liebe, für die sie sogar ihren Körper verkauft, eine andere junge „Prinzessin“ hat, will sie Schluss machen. Und wird von Cem sowie seinen drei Freunden verprügelt und eingesperrt. Als Caro sich bei ihm entschuldigt, lenkt Cem ein und teilt ihr mit, dass sie im Hotel gegenüber einen „Bekannten“ treffen soll. Das Mädchen nutzt die Gelegenheit und haut ab. Nach Hause. Und beim anschließenden polizeilichen Verhör behauptet sie, sie hätte alles freiwillig gemacht. Somit erst einmal keine Strafverfolgung für den Loverboy, und somit ihren Zuhälter.

Obwohl ihre Familie sowie Lehrer, Freunde und eine Polizistin ihr helfen wollen (sogar mit einem Wegzug aus dem Haus und Stadt), verweigert Caro jeglich Unterstützung. Und verschwindet heimlich aus dem Fenster ihres Zimmers. Nach dieser Szene sieht man sie nur noch in den Mercedes von Cem einsteigen…Filmende…

Fazit und Gedanken zum Film „Ich gehöre ihm“:

Dieser deutsche Film, unter der Regie von Thomas Durchschlag, beruht auf einer wahren Begebenheit. Keine künstliche Dramatisierung, sondern dramatisch, weil wahr. Täglich. Stündlich. Jedes Mädchen könnte eine „Caro“ sein. Diese Rolle, und gewiss war diese keine leichte, wird von Anna Bachmann gespielt. Wie ich finde sehr real und mehr als gut. Auch der Darsteller Samy Abdel Fattah spielt seine Rolle als skrupelloser Zuhälter und Menschenhändler „Cem“ sehr überzeugend. Kein Wunder also, dass ich als Zuschauer mit starken (Hass-)Gefühlen reagiere. Nicht mit dem Verurteilen der Mädchen. Nein, denn diese wünschen sich doch nur beachtet, geliebt, respektiert und anerkannt zu werden. Aber jeden Loverboy dieser Welt, der nicht nur mit den Gefühlen der Minderjährigen spielt, sondern sich ein Luxusleben „gönnt“, während die „Prinzessin“ brav anschaffen geht. Leid erfährt. Körperlich, aber auch und vor allem seelisch.

Erschreckend auch die folgende Doku zum ARD Themenabend am Mittwoch. Titel: Verliebt, verführt, verkauft. Eine Dokumentation von Diana Ahrabian, mit weiteren Fakten und betroffenen jungen Frauen (Stimmen verändert und ohne deren Gesichter zu zeigen). Habt ihr gewusst, dass die meisten Anzeigen gegen Loverboys im Sande verlaufen, eingestellt werden? Weil die Mädchen sich schämen und Angst haben. Sie behaupten alles freiwillig gemacht zu haben…Und die feinen Herren können ihr elendes, perfides Spiel schön weiterspielen. Abhängig machen, mit Gefühlen spielen nach Lust und Laune, ihr Opfer zur Prostitution zwingen, erpressen, Angst einjagen und prügeln…

Ehrlich gesagt ein Aufregerthema schlechthin und nicht nur weil ich selber eine Tochter habe (glücklicherweise inzwischen aus dem Teeniealter heraus). Wie kann man die Mädchen schützen ohne ihnen jegliche Illusion von echter, zärtlicher und ehrlicher Liebe zu nehmen? Wie findet man als Eltern, Verwandte, Freunde oder Lehrer heraus, dass ein Loverboy sein widerliches Spiel treibt? Welche Hilfe gibt es für Betroffene und welche Möglichkeiten der konkreten Strafverfolgung gibt es?

Fragen, die ich mir gewiss nicht nur alleine stelle. Und nicht erst seit heute Abend, sondern schon viel länger.

Habt ihr den Film gesehen?

Wie ist eure Meinung zum Thema junge Mädchen und Loverboys?

Reden wir darüber! Und an alle Mädchen: es gibt keinen Grund sich zu schämen, wenn ihr euch in den falschen Typ verliebt habt! Helft euch und anderen indem ihr „euren“ Loverboy anzeigt. Nur so können vielleicht die ständig steigenden Fälle wieder reduziert und viele Seelen, Körper und Leben beschützt werden! Auch eures!

Hier noch einige Links zum Film und Thema (bzw. hilfreiche Stellen):

FilmMittwoch Loverboy

No Loverboy e.V.

Liebe ohne Zwang

Das Sorgentelefon

 

 

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