Rezension Sachbuch: Anschlag von Rechts von Reiner Engelmann/cbj Verlag

Flüchtlinge, Ausländerfeindlichkeit, Gewalt, Rechtsextremismus. Schon lange einige der zahlreichen Begriffe, die besonders auch hier in Deutschland für tägliche Schlagzeilen, Diskussionen, Übergriffe, Unverständnis oder Ängste sorgen. „Anschlag von Rechts“, basierend auf einer wahren Begebenheit hier in Deutschland, geschrieben von Reiner Engelmann, beschäftigt sich mit einem Fall von vielen. Intensiv. Ein Buch, nicht nur für Jugendliche…

Der Autor Reiner Engelmann, geboren 1952, interessiert sich schon lange für gesellschaftliche Brennpunkte, ist Sozialpädagoge und hat sich innerhalb des Schuldienstes im besonderen Maße für Gewaltprävention, Leseförderung sowie Kinder- und Menschenrechtsbildung starkgemacht. Bereits seit 1969 ist Reiner Engelmann zudem für amnesty international aktiv. „Anschlag von Rechts“ ist bereits das dritte Buch, welches von ihm im Kinder- und Jugendverlag cbj erschienen ist. Mit einem brisanten Fall, der sich genau so in einer Stadt Mitten in Deutschland abgespielt hat und somit auf einer wahren Begebenheit beruht.

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Das Buch selbst wurde von Herrn Engelmann recht sachlich geschrieben, einer Erzählung gleich. Eine Erzählung, die von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien handelt, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Beweggrund: in Sicherheit leben. Und es erzählt von zwei Männern und einer Frau, die zum Täter wurden. Versuchter Mord und Brandstiftung.

Robert, Matthias (genannt Matze) und Beate treffen sich wie so oft im „Club 18“, der sich in der ehmaligen Werkstatt von Roberts Großvater befindet. Robert hatte sich nur wenige Einrichtungsgegegnstände besorgt, aber mehr war auch nicht nötig, um mit Freunden und Gleichgesinnten ein Feierabendbier zu trinken. Dazu laute Musik der Gruppen Landser, Sturmwehr oder auch Kategorie C. Musik die nicht von Liebe und Blümchen erzählt. Robert und Matze haben ihre Vorlieben, so etwa Hakenkreuze, Adolf Hitler und die Tatsache, dass sie auf Flüchtlinge nicht gut zu sprechen sind. Beate sympathisiert in gewisser Weise, aber gerade gegen Robert würde sowieso keiner dagegengehen. Wenn er getrunken hatte wurde er laut und aggressiv, ja, auch gewalttätig.

Das Buch: Beginnend mit dem 18. Januar, der in bestimmten Kreisen als Gedenktag der deutschen Reichsgründung mit einer traditionellen Grünkohlwanderung (einschließlich Essen) gefeiert wird, wurden Reden gehalten, die davon zeugen „das es so nicht weitergeht, die Luft sauber gehalten werden muss…“ und ein Neuer in der Gruppe eine Idee preisgab, die auf viel Zuspruch stieß.

Matze musste  Wort halten und so ging er kurz danach zur Bushaltestelle, die er selbst fast täglich für seine Fahrten aufsuchte, und sprühte ein großes Hakenkreuz an die Wand. Stolz auf sein Werk konnte er sogar Monate später noch sehen, dass niemand sich die Mühe machte es wieder zu entfernen.

Eines abends trafen sich Robert, Matze und Beate im Club 18, dessen Buchstaben für die Anfangsbuchstaben von Adolf Hitler stehen. Beate, jung und Mutter zweier kleiner Kinder, blieb nüchtern, hingegen die Männer Bier und Weinbrand im Übermaß tranken. Und auf eine Idee kamen, wie sie dem Pack und Negern im Haus, das Flüchtlinge beherbergt, Beine machen könnten. Robert begann mit Matzes Hilfe einen Molotowcocktail zu bauen. Beate musste die beiden dann zu dem Haus fahren. Und Robert warf den brandgefährlichen Cocktail…

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Das Buch selbst beginnt mit einem Prolog, gefolgt von Geschichten von Geflüchteten, die in der Stadt P. ein neues Zuhause gefunden haben. „Flucht aus…Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe“. Geschichten, die die Flucht, Ängste und Hoffnungen von jungen Menschen und Erwachsenen beinhalten.

Folgend skizziert Reiner Engelmann in klaren, strukturierten Formen den Fall aus P. und kommt hier den Menschen, Opfern wie Tätern und deren Familien, sehr nahe. Auch die Gerichtsverhandlung wird in dem Buch geschildert, ebenso die jeweiligen Urteile.

Abschließend findet der interessierte Leser im Glossar Codes und Symbole, die in rechten und neonazistischen Kreisen eine bedeutende Rolle spielen. Symbole, wie etwa das Kelten – und Hakenkreuz, Codes aus Zahlen oder auch bestimmte Tätowierungen, Musikgruppen und Labels aus dem Bereich der Bekleidung.

Mein Fazit zum Buch „Anschlag von Rechts“:

Bei dem vorliegenden Buch, das für Jugendliche ebenso interessant ist wie auch für Erwachsene, handelt es sich um eine reale Geschichte, passiert mitten in Deutschland. Der Autor hat meines Erachtens nach klar und strukturiert aufgezeichnet wie sich der Fall zugetragen hat. Und was sowohl die Opfer als auch die Täter erlebt und gedacht haben. Ein Buch, das nachdenklich stimmt, gewiss zu Diskussionen führt und durchaus als Lesestoff in Schulen für ein intensiveres Überlegen geeignet ist. Oder auch unter Erwachsene jeglicher Herkunft.

Das Buch „Anschlag von Rechts“, geschrieben von Reiner Engelmann, ist aktuell 2017 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag erschienen, umfasst 184 Seiten, kostet 14,99€ und ist im Buchhandel ebenso erhältlich wie bequem unter folgendem Link: Anschlag von rechts: Nach einer wahren Begebenheit

 

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