Ignorante Arroganz geht nackt ins Grab

Es gibt sie, die Neureichen, durch Erbe reich gewordenen und auch solche, die sich mühsam von Null auf Hundert hochgearbeitet haben. Reichtum ist keine Schande und nur selten etwas das man verdammen muss, denn jeder Mensch sollte glücklich und zufrieden leben können, unabhängig dessen wie er nun mal zu einem „Viel“ an Geld gekommen ist. Soweit so gut, doch was mich unglaublich auf die Palme bringt, und, ja, ich gebe es zu, so manchem Gutbetuchten die Armut wünschen lässt, ist die erschreckende ignorante Arroganz, die da so manch einer an den Tag legt, sobald er seine finanziellen Schäfchen im Trockenen hat.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein…wer kennt sie nicht, die Werbung, die doch im Alltäglichen tausendfach real passiert und offenbart, welch Armseligkeit sich hinter solch einem Individuum verbirgt. Mehr Schein, als Sein, so erlebe ich es oft genug im Kontakt mit Menschen, die weit davon entfernt sind sich mit den Bezügen von Hartz IV herumplagen zu müssen.

Erst kürzlich erzählte mir eine junge Bekannte von ihrem Horrortrip mit ihrer Großmutter (die ich flüchtig kenne), die, dank des jahrzehntelangen Arbeitseinsatzes ihres Mannes, einem erfolgreichen Unternehmer im Seniorenalter, zu Geld gekommen ist und heute ihren Alltag mit Shoppingtouren und ähnlich erquickenden Aktivitäten verbringt. Im Urlaub waren sie auf Malle, aber nicht am Ballermann, sondern in einer 5-Sterne-Anlage. Soll auch schön sein, obwohl meine Bekannte weder von dem Hotel noch dem Essen begeistert war. Übrigens sie ist angehende Studentin, die seit drei Jahren nebenbei arbeitet, um mit ihrem Freund eigenständig leben zu können.

Wie sie mir erzählte, hatte ihre sehr reiche, alternde Großmutter täglich etwas zu meckern und ließ sich permanent über die Menschen am Strand aus, welche sich keine Strandliegen oder einen Sonnenschirm leisten könnten. Überhaupt, so meinte die alte Dame wohl, wer für sowas kein Geld hat und dann auch noch mit Kleinkind verreist, nein, das passt ja mal überhaupt nicht. Nur eine spleenige Ausrede? Mitnichten, denn dieses Denken ist gewiss nicht einmalig. Im Gegenteil. Viele reiche Menschen sehen mit einer ignoranten Arroganz auf diejenigen hinab, welche mit einem Monatslohn nah an der Armutsgrenze überleben und sich so manchen „Luxus“ sprichwörtlich vom Mund absparen müssen. „Selber schuld, hätten die halt was Gescheites lernen sollen…“ ist eine ach so typische Ausrede derer, die oftmals schon mit der Geburt in das gemachte, finanzielle, elterliche Nest gefallen sind. Reichlich anmaßend, sage ich nur, und weit davon entfernt ein menschliches Herz zu offenbaren.

Was mich ehrlich beruhigt ist, dass auch solche Geldschnösel und egoistisch-narzisstisch veranlagten Frauen und Männer irgendwann auf dem Sterbebett liegen werden. Nein, ich wünsche keinem den Tod, ganz und gar nicht, selbst nicht den Möchte-gerne-was-bin-ich-so-toll-Typen. Nackt gehen sie ins Grab, so wie sie einst geboren wurden, das wollte ich damit sagen. Der Reichtum bleibt zurück, ebenso wie das Wissen darum, dass in den meisten Fällen all das Geld und die Statussymbole nicht glücklich gemacht haben. Die wiederum erfreuen dann die geiernden Erben, die kaum erwarten können, dass der reiche Verwandte nun endlich das Zeitliche segnet. Dass sich dann um das Erbe gestritten wird, ist selbstredend. Zudem: auch der ersehnte Reichtum wird an den wenigsten Leuten ohne Wesensveränderung vorübergehen, denn wie heißt es so schön im Sinne von Reichtum: „Geld verdirbt den Charakter!“

Es sei trotzallem jedem Reichtum vergönnt, sofern keiner vergisst, dass Geld nur ein im Sinne der Menschlichkeit wertloses Papier ist, das zwar freier agieren, jedoch nur selten wirkliches Glück erfahren lässt. Arroganz an den Menschen abzulassen, die nun mal nicht den goldenen Löffel in der Wiege hatten oder denen das Glück bei der Partnerwahl hold war, ist minderwertig und mehr als zu verachten. Denn nicht im finanziell unabhängigen 7-Sterne-Himmel werden sich alle wieder begegnen, sondern still und leise in die Grube hinabgelassen. Und da sind dann immerhin alle wieder gleich.

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