Kapitel 3 Claudia Teil 1

Emanuel hatte eine andere Frau und betrog mich, wie einst mein Ex-Mann Marc, und das von mir gänzlich unbemerkt seit zig Monaten. Das ich nichts bemerkt hatte, schrieb ich mal wieder meinem blinden Vertrauen zu. Wurdest du schon einmal oder gar mehrmals von einemMann betrogen? Schenkst du einem Menschen stets blindes Vertrauen und gehst gänzlich naiv mit dem Thema Beziehung um? Und hier rede ich nicht nur von einer reinen Partnerschaft, sondern jede Beziehung die wir mit einem anderen Menschen eingehen oder pflegen, somit kann das die nette Kollegin ebenso sein als auch die etwas weiter entfernte Verwandte oder die beste Freundin. Es ist sehr verletztend, wenn man nach vielen Jahren einer Partnerschaft erfährt, dass man eigentlich nicht wirklich geliebt, und somit die Basis der Beziehung auf einem Geflecht von Lügen aufgebaut wurde. Einseitig, wohlbemerkt, denn eine meiner größten Eigenschaften ist es stets ehrlich zu sein und das auch dann, wenn es bei einem Gegenüber schmerzhaft rüberkommt. Ihm alle Schuld zuzuschieben wäre abgrundtief falsch gewesen, aber so sehr ich auch grübelte fiel mir nicht ein, was ich wann derart falsch gemacht hatte, dass er es nötig hatte mich zu hintergehen.

Nun, was soll ich dir sagen. Nach dem besagten Abend war Emanuel so erleichtert, dass er mir auch gestehen konnte, dass er bereits mit seiner Freundin Susanne eine Wohnung gemietet hätte und in drei Tagen ausziehen würde. Einfach so. An die Kinder, die abgöttisch an ihm hingen, und nun auch den zweiten Vater verloren, dachte er kaum und seine Worte zu diesem Thema trafen auch die letzte Ecke in meinem Herzen wie ein Dartpfeil, der in die Mitte der Scheibe sein Ziel fand. „Es sind nicht meine Kinder, Claudia, und somit interessieren sie mich zukünftig nicht mehr. Eigentlich hab ich all die Zeit nur gute Miene zum beschiessenen Spiel gemacht, denn ohne diese Gören hätte ich dich ja nicht bekommen können.“ Musstest du als Mutter und Frau jemals in deinem Leben derart harte Worte hören? Die dich zweifeln ließen, ob der Mensch, der eigentlich dein Partner ist oder war, wirklich kennst? Ich für meinen Teil kannte diesen Emanuel nicht mehr, der mir all das eiskalt sagte und mich dabei fast verächtlich ansah. Keine Zärtlichkeit von einst mehr in seinen Worten oder Blicken. Keine Liebe und tiefes Gefühl, von dem ich fast drei Jahre lang ausging, dass es bei ihm ebenfalls ehrlich existierte. Nun, vielleicht kennst du ja diesen luftleeren Zustand, der solch eine Erkenntnis mit sich bringt und ich muss dir nicht allzu viel darüber erzählen. Und vielleicht auch nicht über die Selbstzweifel und Selbstvorwürfe, die man sich als Frau in Situationen wie dieser macht.

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