Claudia Teil 14 – der Horrortag

Freitag. Der Horrortag schlechthin. Wie so oft stand ich am Morgen im Kopierraum unserer Büroetage, um wichtige Unterlagen vorzubereiten. Eigentlich wollte ich Frau Weinrich bitten diese Arbeit zu übernehmen, aber die lag, wie ich erfahren hatte, zuhause mit einer heftigen Grippe flach. Da auch unser Lehrmädchen Christine nirgends zu entdecken war, blieb mir nichts anderes übrig als selbst die dreißig Blätter durch den Kopierer zu jagen. Als ich knapp die Hälfte fertig hatte, rief mich ein Kollege und meinte ich solle umgehend zum Chef kommen. Ahnst du wie schlecht mir in dem Moment wurde? Der Kohlhussel war nun wirklich der letzte Mensch den ich an dem Tag sehen wollte. Zudem, nach all den Vorfällen der vergangenen Tage, konnte das alles nicht Gutes bedeuten, wenn er mich erneut zu sich zitierte. Einfach verschwinden ging nicht, folglich raffte ich meine Unterlagen zusammen und ging mit einem Stein im Magen und wild durcheinanderwirbelnden Gedanken zum Allerheiligsten der Firma: Kohlhussels Büro. Kurz bevor ich an seine Tür klopfte zog ich meinen knielangen Rock zurecht, straffte die Schultern und atmete einige Male tief ein und aus. Nachdem ich geklopft hatte, dauerte es keine Sekunde und ich hörte den Bigboss „Herein!“ rufen. Ob sich früher die Gladiatoren auch so schrecklich gefühlt haben, als sie in die Löwengrube mussten?

Als ich das Büro betreten hatte, mit reichlich feuchten Händen und Herzklopfen, bat mich der Chef doch auf dem Besuchersofa Platz zu nehmen. Nervös folgte ich seiner Aufforderung, ging zum Sofa und setzte mich. Normalerweise sitze ich auch mit einem Rock ziemlich locker und mit übergeschlagenen Beinen, aber weil ich ja wusste, dass der Kohlhussel was von mir wollte, stellte ich die Füße eng aneinander und klemmte fast die Knie zusammen. Kaum, dass ich Platz genommen hatte, fing er auch gleich an auf mich einzureden. Die Filialleiter würden sich über mich beschweren, zudem sei ihm zu Ohren gekommen, dass in letzter Zeit immer häufiger wichtige Unterlagen verschwinden würden, die eigentlich vertraulich in meinen Händen bleiben sollten. Mir brummte der Kopf und meine Zunge klebte am Gaumen. Das waren alles haltlose Vorwürfe und als ich gerade ansetzen wollte, um etwas zu meiner Verteidigung zu sagen, hob er die Hand und meinte, ich solle mir meine Lügen ersparen, denn er vertraue seinen Mitarbeitern und sehe keinen Grund, weshalb sie über mich Unwahrheiten erzählen sollten. Der hatte doch einen an der Waffel! Wurden dir schon einmal solche Vorwürfe gemacht und unterstellt du würdest lügen und kein Wort davon stimmte?

Der Kohlhussel schwafelte noch eine Weile auf derselben Schiene weiter. Er sei schrecklich von mir enttäuscht, dabei wollte er mich doch eigentlich befördern und nun würde ich sehr in meinen Leistungen nachlassen, ja, noch schlimmer, mir als Bezirksleiterin Dinge erlauben, die absolut nicht zu meinem beruflichen Status passen würden. Während er so redete, hielt er urplötzlich inne, kam zu mir ans Sofa und setzte sich mit seinen Fettmassen verdächtig nah neben mich. Ich saß bereits fast an der linken Sofalehne, somit konnte ich nicht wirklich ein Stück von ihm wegrutschen. Schon merkte ich, dass er seinen linken Arm hinter meinen Kopf auf die Rückenlehne legte und dabei schoss fast gleichzeitig sein widerlicher Schweißgeruch in meine Nase. Prompt drehte sich mir mein Magen erneut um und ich kann dir echt nicht sagen, ob es an dem Gestank lag oder daran dass der Kohlhussel mir erneut auf die Pelle rückte.

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