Claudia Teil 10 – alles ver-rückt

So widerlich dieser Arbeitstag begann, war der Rest des Tages echt für mich gelaufen. Die ganze Zeit dachte ich nur noch an diese feuchte Hand von dem Bigboss auf meinem Allerwertesten und was ich in Gottes Namen denn nur tun könnte, um aus diesem falschen Film wieder rauszukommen. Auf jeden Fall war mir die Lust auf Kaffee absolut vergangen und so ging ich nur rasch auf Unterlagensuche, die ich dringend für die anstehenden Gespräche mit den möglichen neuen Mitarbeitern brauchte. Kurz danach rannte ich fast aus unserem Firmengebäude raus, um mich in eine unserer Filialen zu begeben, in der das erste Mitarbeitergespräch des Tages auf mich wartete. Muss ich erwähnen, dass ich vor lauter wirren Gedanken eine rote Ampel auf dem Weg dahin übersehen habe!? Zum Glück war keine Streife unterwegs und auch keine solch eine Fotobox der blauen Männchen. Solche Unannehmlichkeiten hätten mir gerade noch gefehlt. Während der ganzen Fahrt zur Filiale ratterte mein Hirn (grins nicht so, ich hab echt eins!), was ich tun sollte. Den Betriebsrat einschalten? Kündigen? Oder erst eine neue Stelle suchen und dann dem Kohlhussel, samt meiner Meinung über ihn, die Kündigungspapiere auf den Tisch knallen? Null Plan und die Gedanken überschlugen sich schneller als die Kinder, wenn die den Berg bei unseren Naturausflügen im Hegau hinunter kugelten.

Irgendwie ging der Tag vorbei, wenn auch reichlich unkonzentriert von meiner Seite aus, und ich wollte einfach nur noch nach Hause und mit Emanuel über diesen Tag, und all dessen was mich so stark beschäftigte, reden. Wenn du einen Partner hast oder zumindest hattest, kennst du solche Redebedürfnisse bestimmt auch, oder? Immerhin hat ja nicht jede Frau eine Freundin oder, wenn sie eine hat, dann ist die ja nicht immer greifbar, wenn man sie ganz dringend zum Reden und Ausheulen braucht. Da sollte eben der Partner hilfreich an der Seite stehen und genau das wünschte ich mir an dem besagten Tag eben von Emanuel. Nichtzuletzt auch deshalb, weil neben den merkwürdigen Blicken der Kollegen und Mitarbeiter auch die Kunden mal wieder akut einen nörgeligen Tag hatten. Und weil dem nicht genug war, zeigte sich, dass bei meinem Nachhausekommen, Dennis und Tamara extrem strapaziös waren. Hast du Kinder? Kennst du das, dass wenn du einen absolut nervigen Tag hast, dann die lieben Kleinen erst recht so richtig aufdrehen und dich selbst das Gummibärchen auf dem Tisch zur Weißglut bringt?

Es gibt ja viele Mütter, die dann sagen „ich könnte euch an die Wand klatschen!“, aber es sicher nicht tun, weil sie ihre Brut eben doch lieben. An dem Tag war ich aber sehr nahe daran genau das zu tun, zumal Emanuel mehr als spät nach Hause kam. Ungewohnt spät, denn normalerweise war er vor mir daheim und kümmerte sich sowohl um die Kinder als auch um einen Teil des Haushaltes oder kochte zumindest bis zu meinem Eintreffen. Alles an dem Montag war nur Schrott, um nicht zu sagen zum Davonlaufen, denn als Emanuel zur Tür hereinkam motzte er gleich an den Kindern rum, die ihm freudestrahlend entgegen gelaufen waren und mich fertigte er mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange ab. Das hatte es in unserer Beziehung noch nie gegeben und innerlich stellten sich mir alle Haare zu Berge. Kannst du das Gefühl nachvollziehen, welches ich in dem Moment hatte? Wie hättest du reagiert?

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