Claudia Teil 8 – das Schweigen

Den Sonntag verbrachten wir damit uns aus dem Weg zu gehen und als ich um 14 Uhr die Kinder von meiner Mutter abholen konnte, stieß ich einen Seufzer der Erleichterung aus. Leben in der Bude, lachen, erzählen, toben…und eine willkommene Abwechslung der häuslichen Schieflage war somit wieder gesichert. Sag mal, hast du dich mit deinem Partner auch schon derart angeschwiegen, dass du glaubst die Luft ist so dick, dass du diese regelrecht schneiden kannst? Du dich innerlich aufregst, aber kein Wort über deine Lippen kommt, egal wie sehr dich ein Thema annervt? Eigenartiges Gefühl, nicht wahr?

Dennis und Tamara fühlten sich pudelwohl und von den Unstimmigkeiten zwischen Emanuel und mir bekamen sie nichts mit. Bereits in meiner einstigen Ehe war es mir wichtig, dass die Kinder keine Streitereien mitbekamen, die Marc und ich doch sehr oft hatten und mit dem Erwachen von mir angesichts der eigenen weiblichen Dummheit, natürlich gegen Ende der Beziehung akut zunahmen. Wenn ich so sehe, was manche Kinder hautnah erleben müssen, wie die Eltern sich handfest in die Haare bekommen, diese sich mitunter auch prügeln oder Gegenstände in der Wohnung rumwerfen oder sich die übelsten Schimpfwörter an den Kopf werfen…also echt, da geht mir der sprichwörtliche Hut hoch! Das ist doch das Allerletzte! Was können die armen Würmer dafür, dass ihre Eltern unfähig sind sich mit vernünftigen Worten und vor allem in ruhigen Tonlagen einfach sagen zu können, dass sie keine Lust mehr aufeinander haben oder eben die Trennung als einzig wahre Lösung ansehen!? Katastrophale Zustände, sage ich dir und weit unter meinem Niveau oder eigenen Handlungsweise.

Nun gut, das total verkorkste Wochenende ging vorüber und am Montag hatte uns der Alltag wieder in seinem festen Griff. Emanuel ging erstaunlich früh aus dem Haus, einzig begleitet von einem „Tschüss, bis heute Abend!“. Keine Umarmung, kein inniger Abschiedskuss. Nichts. Sehr merkwürdig, aber diesmal machte ich keine Anstalten die Erste zu sein, um eine Versöhnung auf den Plan zu rufen. Ich war stinksauer und enttäuscht von Emanuel, wobei ich an dem Morgen weitaus mehr damit beschäftigt war, mir Gedanken über den Kohlhussel und meine Stelle zu machen. Entsprechend genervt und geistesabwesend brachte ich Dennis zur Schule und Tamara in den Kindergarten und fuhr anschließend, reichlich in meinen Gedanken versunken, zur Arbeit. Lust hatte ich ja echt keine dorthin zu fahren, was wirklich ungewöhnlich war, denn normalerweise freute ich mich auf jeden neuen Wochenstart, zumal gerade für diesen Tag vier Neueinstellungen geplant waren und ich genau diese Tätigkeiten in meiner Funktion als Betriebsleiterin immer als besonders reizvoll empfand.

Schon auf dem Parkplatz unseres Unternehmens breitete sich in meinem Bauch ein reichlich drückendes Gefühl aus. Zu frisch lag die derbe Begegnung mit dem Kohlhussel zurück und dessen versteckte Drohung machte es mir nicht gerade leichter aus dem Auto zu steigen. Doch es half ja alles nichts, so raffte ich mich, nach dem Motto „Augen zu und durch“, auf und ging in Richtung Eingangstür, atmete einige Male tief ein und aus und stieß mit Schwung die rechte Glastüre auf. Als Frau in meiner Position heißt es ja immer taff zu sein und so umklammerte ich meinen Aktenkoffer mit gestrafften Schultern. Insgeheim betete ich, dass mir der Bigboss nicht in diesem Moment über den Weg lief. Was soll ich sagen, die von mir angebetete obere Macht hatte wohl anderweitig zu tun und so blieb mein inbrünstiges Gebet ungehört.

Wie stets lief ich bei meiner Ankunft in der Firma schnurstracks in die Kaffeeküche. Ohne das braune Gebräu war mein Tag nur halb so gut und bei durchschnittlich 16-18 Stunden auf den Beinen die beste Möglichkeit durchzuhalten. Was brauchst du um deinen alltäglichen Anforderungen mental und körperlich gewachsen zu sein?

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