Vorwort von Psychologe Helmut Niesen,Oslo, zu“Claudia-das Leben steht Kopf“

Vorwort

Geschrieben von Helmut Niesen

Psychologe, Oslo/Norwegen

Viola Reinhardt hat in ihrem ersten Buch „Claudia – Wege aus der Frauenfalle“ beschrieben, wie sich Menschen im Laufe ihrer Beziehungen oft in Abhängigkeiten hineinmanövrieren oder manövrieren lassen, aus denen sie nur schwer oder gar nicht herauskommen. Sie bezeichnete dies als Falle, oder speziell als Frauenfalle. Je länger diese Abhängigkeiten bestehen, umso komplizierter und verhärteter werden Beziehungs- und Verhaltensstrukturen auf beiden Seiten einer Partnerschaft, und mit zunehmender Untätigkeit zur Lösung des Problems wächst nicht nur die Unzufriedenheit, sondern es besteht im schlimmsten Falle die Gefahr, in der Tat an psychosomatischen Störungen zu erkranken. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre es höchste Zeit, familientherapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Zunächst aber noch einige Worte zum Begriff „Frauenfalle“ und der grundlegenden Problematik.

Frauenfalle, warum eigentlich Frauenfalle?

Im Grunde genommen müsste der Begriff „Beziehungsfalle“ lauten, aber aufgrund der Tatsache, dass weitaus mehr Frauen von diesem Phänomen betroffen zu sein scheinen als Männer, hat die Autorin den ersteren Begriff gewählt. Sie tat dies nicht, um streng emanzipatorische Forderungen aufzustellen, sondern um die Gewichtung dieses Problems in der Gesellschaft zu verdeutlichen.

Was sind das nun für Fallen?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir von einem klischeebehafteten Rollenverständnis abrücken, welches in der modernen Gesellschaft im traditionellen Sinne nur unter besonderen Bedingungen funktionieren kann. Dieses Rollenverständnis besagt, dass sich ein Partner voll und ganz dem heimischen Leben und der damit verbundenen Organisation widmet, während der andere in seiner beruflichen Funktion seinen Partnerschaftsbeitrag leistet. Vornehmlich war in der Vergangenheit, aus einer langen Entwicklungstradition der Rollenverteilung, dem heimischen Part immer das weibliche Geschlecht zugedacht. Ist diese Rollenaufteilung im gegenseitigen Einverständnis vereinbart worden, und beide Partner sehen eine Art Erfüllung darin, ist eigentlich alles in Ordnung. Eigentlich; denn unsere moderne Gesellschaft macht es nicht nur möglich, sondern auch notwendig, diese Rollenaufteilung zu flexibilisieren. Die Notwendigkeit ergibt sich aus ganz realen wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus persönlichkeitspsychologischen Aspekten, die mit der Entwicklung der Frau in der modernen Gesellschaft zu tun haben.

Stellen wir uns eine Beziehung vor, in welcher die Bedürfnisse und Wünsche gleichberechtigter Partner, denn von dieser Berechtigung gehe ich grundsätzlich aus, zutage treten. Zunächst ist oft die Situation gegeben, in welcher der Familienzuwachs noch nicht vorhanden ist. In diesem Stadium einer lang angelegten Paarbeziehung dürften die Auseinandersetzungen bezüglich der Rollenverteilung noch am geringsten sein, da die heimische Rolle nicht so zwingend ist. Jeder kann seinen beruflichen Aufgaben und Bedürfnissen nachgehen, die Einigung über die gemeinsame Organisation des Haushaltes sollte noch möglich sein. Doch schon hier kann durch die Dominanz spezieller Vorstellungen eines Partners das Bedürfnis des „Schwächeren“ sich beruflich zu entwickeln, gehemmt werden. Kritisch wird es aber dann, wenn die Beziehungsverspflichtungen sich nicht mehr nur auf die gegenseitigen Wünsche und Vorstellungen konzentrieren, sondern auch und vor allem auf den Familienzuwachs, der, wenn er erst einmal da ist, eine zwingende Aufmerksamkeit erfordert.

Hier beginnen meist schleichend die Auseinandersetzungen bezüglich des Rollenverständnisses in einer Familie. Das Einkommen muss zunächst gesichert sein. Mindestens ein Partner wird zwangsläufig diesen Part übernehmen. Der andere, und das ist oft die Frau (immer häufiger aber auch der Mann), bleibt zumindest für eine Zeit lang zuhause, um sich um Kind und Haushalt zu kümmern. Wie lange dieser Zustand konfliktlos bleiben kann, hängt von der Zufriedenheit, der gegenseitigen Unterstützungsbereitschaft und der Akzeptanz von Änderungswünschen ab. Sind dieses Faktoren im positiven Sinne gegeben, kann es lange Zeit gut gehen. Entwickeln sich aber einzelne dieser genannten Punkte (sehr oft auch in Kombination) zu Konflikten (z.B. der Wunsch der Mutter nach dem Erziehungsjahr wieder in den Beruf einzusteigen), die nie offen ausgesprochen, diskutiert und konstruktiv gelöst werden, verwandelt sich der Zustand der bis dahin vorhandenen Rollenverteilung in einen Gewohnheitszustand, in welchem der eine Partner mehr und mehr auf die Selbstverständlichkeit seiner Rolle pocht und der andere still vor sich hin leidet. Die Falle, in welcher sich der oder die Leidende dann befindet, definiert sich meist aus einer Antriebslosigkeit zur Lösung des Konflikts durch die ständige Anspannung zu Hause und manchmal auch der Tendenz, diesen Zustand mit allen Mitteln selbst zu rechtfertigen, um sich nicht eingestehen zu müssen, die eigenen Bedürfnisse nicht durchsetzen zu können.

In dem Buch „Wege aus der Frauenfalle“ versucht die Autorin Betroffenen Mut zu machen und im Dialog mit den Lesern Wege aufzuführen, die Angst vor der eigenen Courage zu überwinden und im positiven Sinne aufzubrechen zu neuen Ufern. In ihrem zweiten Buch will sie nun weitergehen und authentische Berichte in ihr Werk einfügen, um die Realität der Problematik vor Augen zu führen.

 

 

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